Emotionale Abhängigkeiten

Was ist emotionale Abhängigkeit

Emotionale Abhängigkeit ist ein weit verbreitetes Phänomen, oft unsichtbar und doch stark spürbar.

Sie zeigt sich in Beziehungen, in Freundschaften oder Familiensystemen, wenn das eigene Wohlbefinden stark davon abhängt, wie andere sich verhalten oder reagieren. Hinter emotionaler Abhängigkeit steckt meist die Angst vor Verlust, Ablehnung oder Einsamkeit und eine tiefe Sehnsucht nach Bestätigung, Nähe und Zugehörigkeit.

Man könnte sagen: es ist eine unsichtbare Sucht nach Liebe und echter Verbundenheit.

Bei einer Co-Abhängigkeit dreht sich das Leben zunehmend um die Probleme und Bedürfnisse des anderen.

Aus dem Wunsch heraus, zu helfen oder die Situation zu "retten" ordnet sich die betroffene Person unter und vernachlässigt ihre eigenen Grenzen und Bedürfnisse. Oft steckt dahinter ein geringes Selbstwertgefühl oder das Gefühl, nur dann wertvoll zu sein, wenn man für andere da ist. Dieses Verhalten kann zu emotionaler Erschöpfung, Überforderung oder sogar Depression führen.

Was ist Co-Abhängigkeit

Die Ursachen liegen meist in frühen Beziehungserfahrungen, Kinder, die in emotional unsicheren Umfeldern aufwachsen - mit abwesenden, überforderten oder überbehütenden Eltern - lernen oft:

"Ich bekomme Zuneigung nur, wenn ich funktioniere, brav bin und mich anpasse".

Diese frühen Bindungserfahrungen prägen das spätere Beziehungserleben. Im Erwachsenenalter zeigt sich das häufig als starkes Bedürfnis nach Bestätigung, Schwierigkeiten, Grenzen zu setzen, und Angst verlassen zu werden.

Man spricht in diesem Zusammenhang vom unsicher-ambivalenten Bindungsstil, der am häufigsten mit emotionaler Abhängigkeit verbunden ist.

Wie entstehen emotionale Abhängigkeiten?

1. Der sichere Bindungsstil

Menschen mit sicherem Bindungsstil haben Vertrauen in sich und andere, können Nähe zulassen, sind jedoch auch fähig autonom zu leben.

Diese Personen neigen dazu emotionale Nähe zu meiden, wirken selbstbewusst und autonom, haben jedoch Schwierigkeiten, Gefühle zu zeigen.

2. Unsicher-vermeidender Bindungsstil

Sie sehnen sich stark nach Nähe, haben jedoch Angst vor Ablehnung und reagieren häufig klammernd oder übermäßig abhängig oder übermäßig abhängig.

3. Unsicher-ambivalenter (ängstlicher Bindungsstil)

4. Desorganisierter Bindungsstil

Hier zeigen sich sehr widersprüchliche Verhaltensweisen, oft als Folge traumatischer Erfahrungen. Nähe und Distanz werden nicht klar reguliert, diese Menschen pendeln häufig zwischen Nähe und Distanz hin und her.

Bindungsstile im Überblick

  • Starke Verlustangst und ständiges Bedürfnis nach Nähe oder Bestätigung

  • Übermäßige Anpassung, Vernachlässigung eigener Interessen oder Freundschaften

  • Schwierigkeiten, allein zu sein, Leere ohne Kontakt zum Partner

  • Fehlendes Selbstwertgefühl, Abhängigkeiten von äußerer Anerkennung

  • Eifersucht, Misstrauen, Angst vor Zurückweisung

    Klammerndes Verhalten, starke Angst vor Trennung

Typische Anzeichen einer Co-Anhängigkeit

  • Übermäßige Opferbereitschaft und Kontrolle über das Verhalten anderer

  • Geringes Selbstwertgefühl Angst vor Ablehnung oder Alleinsein

  • Schwierigkeiten Grenzen zu setzen oder Konflikte zuzulassen

  • Permanente Sorge um andere, Verlust der eigenen Identität

  • Ständiges Bedürfnis nach Rückversicherung und Bestätigung

Typische Anzeichen emotionaler Abhängigkeit

Körperliche Symptome emotionaler Abhängigkeit

Emotionale Abhängigkeit wirkt sich oft direkt auf den Körper aus.

Das Nervensystem steht dauerhaft unter Stress, der Körper reagiert mit:

  • Kopfschmerzen, Herzklopfen, Magenbeschwerden

  • Schlafstörungen, Verspannungen, Appetitlosigkeit

  • Erschöpfung und innerer Unruhe

Diese Signale sind ein Weckruf, wieder auf sich selbst zu hören
und auf die eigenen Grenzen, Bedürfnisse und Gefühle.

Erkennen und Annehmen

Der erste Schritt zur Veränderung ist bewusste Wahrnehmung der eigenen Muster.

In einem geschützten Rahmen entsteht Raum, um alte Überzeugungen, Verhaltensweisen und emotionale Abhängigkeiten zu erkennen, ohne Bewertung, sondern mit Verständnis und Mitgefühl für sich selbst.

Psychologische Begleitung bei emotionaler Abhängigkeit

Selbstreflexion und Musterarbeit

Gemeinsam erforschen wir Ihre Glaubenssätze und wiederkehrende Beziehungsmuster.

Diese tief verankerten Überzeugungen dürfen sichtbar werden, um anschließend in stärkende und positive innere Haltungen umgewandelt zu werden.

So entsteht neue Freiheit im Denken, Fühlen und Handeln.

Eigenen Bedürfnisse wahrnehmen und kommunizieren

Ein wichtiger Teil der Heilung ist, die eigenen Bedürfnisse wieder zu spüren und ihnen Raum zu geben.

Schritt für Schritt lernen Sie, Ihre Wünsche ernst zu nehmen, für sich einzustehen und Ihre Gefühle offen zu kommunizieren.

Grenzen setzen und Selbstbehauptung üben

Gesunde Grenzen sind die Grundlage für ein selbstbestimmtes Leben.

In der therapeutischen Arbeit üben wir, diese Grenzen zu erkennen, klar auszudrücken und zu halten, mit Ruhe, Selbstvertrauen und innerer Stärke.

Neue und positive Bindungserfahrungen verankern

Systemisch betrachtet ist Heilung auch Beziehungserfahrung. Das Einbeziehen wohlwollender Bezugspersonen, der Aufbau von Vertrauen und neue Rituale, dass Einbeziehen wohlwollender Bezugspersonen, sowie das Führen eines Tagebuches, können helfen, positive Erlebnisse im Gehirn neu zu vernetzen.

So entsteht Schritt für Schritt eine stabile innere Basis, auf de gesunde, erfüllende Beziehungen wachsen können.

"Heilung beginnt dort, wo wir uns selbst wieder begegnen, mit Mitgefühl, Klarheit und Mut".