Depressionen verstehen

Was ist eine Depression

Es ist weit mehr als Traurigkeit oder ein "schlechter" Tag - sie betrifft Denken, Fühlen und Handeln und kann das Leben stark einschränken. Eine Depression zeigt sich bei jedem Menschen anders und entsteht immer im Zusammenspiel mit mehreren Faktoren.

Wie entsteht eine Depression

Die Ursachen von Depressionen sind komplex. Biologische, psychische und soziale Faktoren wirken meist eng zusammen und machen jede Depression individuell.

Ursachen und Einflussfaktoren

1. Biologische und genetische Einflüsse im systemischen Kontext

Unsere genetische Ausstattung und die Regulation von Botenstoffen im Gehirn beeinflussen, wie wir auf Belastungen reagieren.

Doch diese Prozesse stehen nie für sich allein - sie entfalten ihre Wirkung im Zusammenspiel mit unserem sozialen Umfeld, unseren Beziehungen und Erfahrungen.

Eine genetische Veranlagung kann etwa zum Tragen kommen, wenn sie auf ungelöste familiäre Konflikte, belastende Muster oder traumatische Erlebnisse trifft, die sich über Generationen fortsetzen.

2. Psychosoziale Auslöser

Starke seelische Belastungen wie Trennungen, der Verlust eines geliebten Menschen, destruktive Partnerschaften, Mobbing, Dauerstress oder soziale Isolation können eine Depression auslösen oder verstärken.

3. Persönliche Erfahrungen und Resilienz

Nicht jeder Mensch reagiert gleich auf Herausforderungen. Ein geringes Selbstwertgefühl, übermäßige Selbstkritik oder Perfektionismus erhöhen die Anfälligkeit, während frühe Erfahrungen, wie etwa Vernachlässigung, Gewalt oder emotionale Kälte das Risiko für eine spätere Depression steigern können, besonders wenn sie unverarbeitet bleiben.

Transgenerationale Traumata

Traumatische Erlebnisse können unbewusst über Generationen weitergegeben werden. So trugen viele Kinder von Kriegsüberlebenden unausgesprochen Ängste oder Schuldgefühle in sich, obwohl sie den Krieg selbst nicht erlebt hatten. Auch Ereignisse wie Gewalt, Missbrauch, Unfälle oder schwere Verluste können solche inneren Übertragungen auslösen und seelische Belastungen verstärken.

Häufige Formen von Depression

  • Episodisch (phasenweise)

  • Dysthymie (anhaltend leichte depressive Verstimmung)

  • Bipolare Störung (früher: manisch- depressiv)

  • Postportale Depression (Wochenbettdepression)

  • Saisonale Depression (Winterdepression)

  • Reaktive Depression (Reaktion auf Trauma)

  • Maskiert/somatisiert (häufig körperliche Symptome, die seelisch bedingt sind)

Typische Symptome einer Depression

  • Anhaltende gedrückte Stimmung oder tiefe Traurigkeit, die sich wie eine schwere Last anfühlt

  • Verlust von Interesse und Freude an Dingen, die früher Spaß gemacht haben

  • Erschöpfung und Antriebslosigkeit - selbst kleine Aufgaben erscheinen mühsam

  • Konzentrations- und Entscheidungsschwierigkeiten, verlangsamtes Denken

  • Gefühle von Wertlosigkeit, Schuld oder Hoffnungslosigkeit

  • Innere Unruhe oder Ruhelosigkeit - bei manchen auch das Gegenteil: Verlangsamung und Rückzug

  • Soziale Isolation, das Bedürfnis, sich von der Familie und Freunden abzuschotten

  • Schlafstörungen (Ein-oder Durschlafstörungen, frühes Erwachen)

  • Appetitveränderung mit Gewichtszunahme oder Gewichtsabnahme

  • Körperliche Beschwerden wie ständige Müdigkeit, Schmerzen, oder Verdauungsprobleme ohne erkennbare Ursache

  • In schweren Fällen auch Gedanken an den Tod oder Suizidgedanken

In der gemeinsamen Arbeit nutze ich verschiedene Methoden, die helfen, innere Balance und Lebensfreude wiederzufinden. Dazu gehören Techniken wie Reframing, Ankerarbeit oder Bodenanker-Übungen, ebenso wie das Systembrett und Einzelaufstellungen, um unbewusste Zusammenhänge sichtbar zu machen.

Gemeinsam entwickeln wir alltagstaugliche Strukturen und Ziele, die Schritt für Schritt Orientierung und Stabilität geben. Bewegung, Sport oder kleine "Wohlfühlmomente" spielen dabei eine wichtige Rolle, sie fördern die Ausschüttung von Glückshormonen wie Serotonin, Dopamin und Oxytocin und unterstützen den Aufbau neuer, positiver, neuronaler Verknüpfungen.

Auch einfache Veränderungen, wie bewusste Ruhezeiten, Informationspausen oder Handy-Detox Tage, können helfen, Reizüberflutung zu reduzieren und innere Ruhe zurückzugewinnen.

Ein weiterer Schwerpunkt meiner Arbeit liegt auf dem Erkennen systemischer Zusammenhänge und der Arbeit mit Glaubenssätzen - beides kann tiefgreifende Veränderung im Erleben und Verhalten ermöglichen.

Irvin D. Yalom sagt:
“Die Hoffnung auf eine bessere Vergangenheit aufzugeben, ist eine kraftvolle Idee.- Aber heute hier, hast du dir eine neue Vergangenheit geschrieben.“

Psychologische Begleitung bei Depressionen